Gerd Knuth, Mangement des Coro Gospel de Cuba,
Gerd Knuth, Mangement des Coro Gospel de Cuba

Hier lese ich es gerade: From Servant To Savior

Die Radisson Hotelkette und die Hawai’i Hotel Association haben Racasa, 52als Mitarbeiter des Jahres ausgezeichnet. Der Artikel in der Zeitung Hawaii News Now ist nicht ganz frisch – und eigentlich, was ist an dieser Auszeichnung so wichtig?

Die Überschrift macht neugierig. Also lese ich weiter.

Racasa sei ein Mann der wenigen Worte, wenn er über sein Geschenk an Walter Nishioka spricht. Der gebürtige Philippiner sagte, er wolle dem Land, das ihm so viel gegeben habe, “etwas zurückgeben”.

Die Mitarbeiter zeigen sich von Racasas Großzügigkeit nicht überrascht. Der Generaldirektor des Hotels Prince Waikiki – Honolulu erklärt, Racasa habe ein phänomenales Talent dafür, sich die Namen der Kunden, ihre Herkunft und ihre üblichen Bestellungen zu merken.

Das wußte offenbar auch Walter Nishioka aus eigener Erfahrung, und dass der Service in dem Hotel auf Hawaii gut war; er brunchte jeden Mittwoch dort. Wie gut er wirklich war, stellte er fest, als ihm etwas angeboten wurde, das definitiv nicht auf der Speisekarte stand – die Niere des Kellners!

Was war geschehen?

Nishioka war ein ortsansässiger Geschäftsmann um die siebzig und er war schwer nierenkrank. Die Ärzte hatten ihm gesagt, dass er dringend eine Spenderniere brauche. Er hatte schon fast aufgegeben, ein passendes Organ zu finden, als der Kellner, Jose Rocasa, ihm eine seiner Nieren anbot.

Nishioka sagte, „Ich hatte nicht mehr viel Zeit und die Ärzte sagten, es sei unwahrscheinlich, dass ich rechtzeitig einen geeigneten Spender finden würden. Aber mit diesem guten Mann hier und mit viel Hilfe von oben, lebe ich und es geht mir gut.“

In den zweiundzwanzig Jahren, die Walter Nishioka das Hotel besuchte, wurde er immer von Jose Rosaca bedient. Rocasa erinnerte sich, dass er immer freundlich und liebenswürdig gewesen war – und großzügig Trinkgeld gab. „Ich wollte ihm einfach helfen“, sagte er. „Jahrelang hatten wir diese Art Freundschaft, in der er zum Lunch kam und ich mich um ihn kümmerte und dafür sorgte, dass er sich wohl fühlte. Und er behandelte mich im Gegenzug immer freundlich. Da sage ich natürlich, „Machen Sie sich keine Sorgen – Sie können eine von meinen Nieren haben.“

Nach den Operationen sagt die Hotelleitung: “Wir unterstützen Jose, indem wir ihm so viel Zeit geben, wie er braucht. Jetzt ist er etwa einen Monat lang beurlaubt, und wenn er mehr Zeit braucht, geben wir ihm alle Zeit, die er dafür braucht.

Jetzt werden diese beiden Männer mehr Zeit haben, sich gegenseitig kennen zu lernen.

Walter Nishioka ergänzt: “Er ist wie mein Bruder. Nun, jetzt bin ich Japaner, jetzt bin ich halb Filipino.”

Rosaca  bleibt gelassen “Ich glaube, jeder kann es schaffen, das richtige Timing im richtigen Moment”

Michael Göcking
Michael Göcking, Pfarrbeauftragter in Wellingholzhausen

Sophie Scholl glaubte zunächst wie ihr zweieinhalb Jahre älterer Bruder Hans Scholl an das von den Nationalsozialisten propagierte Gemeinschaftsideal und trat 1934 dem Bund Deutscher Mädel (BDM) bei. Sie engagierte sich für ihre Jungmädel-Gruppe und wurde Scharführerin.
Sophie veranstaltete wie ihr Bruder Mutproben und Härtetests, um sich und den anderen das Äußerste abzuverlangen. Später wandte sie sich von den Jugendorganisationen der NSDAP ab. Nach dem „Reichsparteitag der Ehre“ 1936 nahm sie zusammen mit ihrem Bruder Hans am Gruppenleben der Deutschen Jungenschaft vom 1. November 1929 (kurz „dj.1.11“) teil, einem von Eberhard Koebel gegründeten Jugendbund, der in der Frühphase des Dritten Reiches versuchte, trotz Verbot noch weiterzuexistieren.

Von RyanHulin - Eigenes Werk

Von RyanHulin – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0,

Im Herbst 1937 wurde Sophie zusammen mit ihren Geschwistern für einige Stunden verhaftet, weil ihr Bruder Hans wegen fortgesetztem Engagement in der Bündischen Jugend verfolgt wurde. (Quelle: Wikipedia)

Michael Göcking hat ein paar Gedanken zum Jahrestag

Seitdem ich blind bin, und das bin ich seit 37 Jahren, treibt mich die dahinterstehende Augen Erkrankung um, manchmal auch vor sich her.

Ab und zu muss ich zum Arzt, werde immer mal wieder an einem der Augen operiert. Doch ich habe gelernt damit umzugehen und trotzdem zufrieden zu sein.

Wie das geht? Ich habe eine liebe Frau und eine große Familie.

Die Enkelkinder vermissen uns, schreiben uns elektronisch, wie gern sie bei uns wären, im Garten, auf dem Grundstück.

Meine Blindheit ist dabei kein Thema, warum auch. Jeder hat inzwischen gelernt,

damit umzugehen. Nur ich selbst bin ab und zu traurig, frustriert,

weil die Krankheit mich einfach nicht loslässt.

Aber dann ruft meine Frau, und es gibt wichtigeres zu tun,

als über meine Schwächen zu grübeln und sich zu grämen.

Jetzt sind meine Stärken gefragt!

Am besten hilft mir dabei gegen den Frust,

ein Buch nach dem anderen zu schreiben.

Dies habe ich für mich rechtzeitig nach der Erblindung entdeckt,

seitdem ich in meinem Beruf nicht mehr arbeiten kann.

Also schreibe ich und die Zeit vergeht, und die Familie wächst weiter.

So weiß ich auch, wer meine Bücher demnächst einmal lesen wird:

meine Kinder und meine Enkel. Dafür lohnt sich fast jede Mühe.

Kürzlich fiel mir ein Gedicht ein, dass meine Situation

trotz aller Mühen und die Gesundheit knapp zusammenfasst.

Hier ist es:

Barbara Wegmann
Barbara Wegmann, Journalistin, Münster

Hatten wir gestern noch das Gefühl von Isolation und Abgeschottet sein, so warten am Wochenende schon sonnige Biergartentische auf uns, die ersten Appartements an Nord- und Ostsee dürfen wieder öffnen, die ersten Ausflüge auf Campingplätze oder zu touristischen Zielen sind wieder möglich. Das sind schöne Aussichten, das Wetter soll sonnig bleiben, die Freude auf das, was wir lange Wochen entbehrten, sie ist groß.

Nun kommen sie also, die Lockerungen, die Politiker weitaus intensiver vorangetrieben haben, als es den Bürgen offenbar lieb ist, immerhin hielten gestern Mittag noch über 80 Prozent der Bürger in einer Telefonumfrage bei NTV die Maßnahmen für viel zu früh.  Immerhin gibt es Virologen, die vor einer zweiten Infektionswelle eindringlich warnen und die Lockerungen sogar als „hochriskant“ bezeichnen… Und dann gibt es Politiker, die ohne von Zweifeln geplagt zu werden sich vors Mikrofon stellen und behaupten wir sollten uns keine Angst machen lassen und alles ginge sowieso viel zu langsam. Mit der Angst, da haben sie natürlich recht, Angst ist nie ein guter Begleiter im Leben, aber wie sieht sie wirklich aus, die Situation zurzeit? Politiker, die in ihren Entscheidungen gelenkt werden von Umfragewerten für ihre Partei? Die meinen, umso besser dazustehen, je mehr sie den Wählern an Lockerungen zukommen lassen? Politiker, die Wahlen im Blickfeld haben und sich mal wieder vor den Karren von Industrie und Wirtschaft spannen lassen, die bei dem Balanceakt zwischen Schutz der Bevölkerung und Unterstützung für die Wirtschaft um ihr eigenes Profil fürchten? Zugegeben, es ist eine sehr schwierige Situation. Eine Situation, die- auch im Vergleich zu anderen Ländern bisher aber doch prima gewuppt wurde, vor allem: mit einer gemeinsamen Strategie. Was sich allerdings vorgestern auf Länderebene tat, das war wie ein Dammbruch, der alles an gemeinsamen Anstrengungen erst einmal umwarf: fast stündlich kamen neue Meldungen welches Bundesland welche Lockerungen präsentiert, dabei war doch für gestern die Bund- Länder- Konferenz angesetzt, die eben diese Beschlüsse gemeinsam- auch mit der Bundeskanzlerin-  fassen wollte. Öffnungsdiskussions- Orgien, davor hatte die Kanzlerin schon Tage vorher deutlich gewarnt, war dafür heftig kritisiert worden, aber genau das trat nun ein. Ein „politisches Schaulaufen“ sei das gewesen, sagen Kommentatoren, sprechen von „politischen Eitelkeiten“ und haben so Recht.  Der Tanz um das goldene Kalb ist voll entbrannt.

Während der Bürger mühsam in diesen Wochen gelernt hatte, Abstand zu halten, Masken zu nähen, Schlange zu stehen, mit Homeoffice und geschlossenen Kitas klar zu kommen, auf den Cappuccino im Lieblingscafé und den Friseur zu verzichten, hat er aber auch die Einsicht gewonnen, dass eine Beschneidung persönlicher Freiheiten zu unser aller Wohl ist. In der Beschneidung unseres gewohnten Alltags lag plötzlich auch ein Umdenken, wie sauber doch die Luft wurde, wie sauber manche Gewässer, wie angenehm Ruhe und Entschleunigung sein können, statt der Jagd nach immer mehr, weiter, höher… Geht all das nun wieder verloren? Die Einsicht, dass es viele Berufsgruppen gibt, die viel zu schlecht bezahlt werden, das kreative Denken, etwas anders zu machen, wenn etwas nicht mehr wie gewohnt möglich ist? Fällt man nun schnell wieder in alte Strukturen ohne etwas zu ändern und aus der Krise gelernt zu haben? Das wäre schade.

Angesichts der Tatsache, dass- wie Wissenschaftler behaupten- wir noch mitten in der Pandemie stecken- gehen die Lockerungen und ihre so plötzliche Dynamik gefühlt in die falsche Richtung. Hoffen wir, dass Verantwortung der Verlockung nicht unterliegt. 

Friedhelm Vetter / Hamburg

Ich liebe Auto-Scooter fahren. Wenn irgendwo die Gelegenheit ist, setze
ich mich mit Begeisterung in diese eiförmigen Schleuderkisten. Damit ist
alles erlaubt, was ich mit meinem Auto besser nicht mache. Und das
beste: Es gibt nur zwei Zustände: Vollgas oder stehen bleiben. Also heize
ich wie ein Wilder quer über die Fläche, finde mich irgendwann mitten in
einem Pulk Gleichgesinnter wieder und freue mich wie ein Schneekönig,
wenn ich meinen Nachbarn voll in die Seite rammen kann.
Auf meiner Heimfahrt werde ich dann wieder zum braven
Verkehrsteilnehmer, blinke rechtzeitig vor der Ampel und lächele dem
Polizisten an der Straßenecke freundlich zu.
Auto-Scooter fahren und im Straßenverkehr unterwegs sein sind eben
zwei Dinge: Auto-Scooter fahren macht Spaß, Auto fahren hingegen soll
mich ans gewünschte Ziel bringen.
Genauso sieht’s mit meinem Leben aus: Ich kann durch’s Leben
schleudern. Immer drauf, egal was kommt. Das macht Spaß. Aber ich
muss mit Schrammen und Blessuren rechnen. Und außerdem drehe ich
mich nur im Kreis oder bleibe irgendwo eingekeilt stecken. Die
Alternative: das Leben zielorientiert fahren. Ein Vorbild könnte der
damalige König David aus Israel sein. Der sagt: „Gott, ich brauche dich
jetzt, um mal richtig zu leben. So, wie du es für mich vorgesehen hast,
führe mich durch deine Kraft, das macht Spaß und ist krass. Dann werde
ich sehen, wie du Felsen bewegst, wie du meinen Weg lenkst…“
Also: Nicht ich reiße wild am Steuer meines Lebens. Sondern Gott ist der
Pilot.
Heißt die Parole also: Leb’ schön ordentlich und fromm …? Ich glaube, es
ist wichtig, den feinen Unterschied zu sehen. Gott ist kein Spielverderber.
Er gönnt uns den Spaß. Jesus hat gern rauschende Feste gefeiert und
sogar für neuen Wein gesorgt, als der alte alle war. Derselbe Gott freut
sich aber eben auch über Menschen wie David, die bei ihm Orientierung
für den grundsätzlichen Kurs ihres Lebens suchen. Ich glaube: Jesus würde
heute mit mir Auto-Scooter fahren. Wir hätten viel Spaß und anschließend
sicherlich noch ein gutes Gespräch.

Angelika Hornig
Angelika Hornig Journalistin Autorin Dozentin arbeitet unter anderem auch für Zeitzeichen, das Evangelische magazin

Lass uns mal auf einen Kaffee treffen – inzwischen vermissen wohl wir alle diese kleinen, spontanen Geselligkeiten, bei denen es nicht nur um den Kaffee, sondern auch das Erzählen, Lachen, Beobachten geht. Ein Café ist der geeignete Ort dafür und es wäre schade, wenn wir nach unserer Quarantäne viele davon nicht mehr vorfinden könnten, weil sie es wirtschaftlich nicht geschafft haben. Doch bisher konnte die alte europäische Kultur des Caféhauses immer überleben und Angelika Hornig hat  in die Geschichte geschaut.

 

Barbara Wegmann
Barbara Wegmann, Journalistin, Münster

Wenn sich 100 Schneeflocken auf dem Rücken eines kleinen Marienkäfers türmen, dann ist dessen Weiterleben unbestimmt, fallen sie auf den Rücken eines Elefanten- wobei dieser selten in Schneeregionen lebt, dann wird er es nicht wahrnehmen, was für den einen also eine lebensbedrohliche Katastrophe ist, das ist für den anderen eine kaum wahrnehmbare Tatsache. So ähnlich verhält es sich auch mit den Nachrichten, denen wir am Tag ausgesetzt sind.

Wenn in einem Jahr einem Nachrichtenportal zufolge deutschlandweit 51 Menschen in Badwannen tödlich ausrutschen und in nur 140 Litern Wasser ertrinken, dann ist das absolut gesehen eine Tragödie, 51 beklagenswerte Schicksale. Es ist aber gemessen an der Tatsache, dass täglich 150 000 Menschen weltweit generell sterben nur eine unbedeutende Zahl. Alles ist immer eine Frage der Relation. Und es ist die Frage: sehe ich einen Tatbestand als absolut oder sehe ich ihn relativ, also im Zusammenhang oder Vergleich mit Anderem. Das ist schon ein ziemlicher Unterschied

Da haben sich Statistiker der Weltgesundheitsorganisation die Mühe gemacht und herausgefunden, dass zehntausende Menschen jedes Jahr durch Lärm ums Leben kommen. Die meisten davon, wie eine Nachricht lautet, durch Volksmusik. „Was früher der Blitz war, sind heute Hansi Hinterseeer, Stefan Mross oder Florian Silbereisen.“ Na, ob das ganz so ernsthaft gemeint war?

Jeder Corona- Tote ist sicher einer zu viel, sowie auch jeder Tote durch Tabak- Konsum einer zu viel ist. Jeder zehnte Tote weltweit stirbt an den Folgen des Nikotinkonsums heißt es in einem Welt- Artikel. Vor diesen Dimensionen möge der Himmel uns, was Corona angeht, bewahren. Trotzdem gibt es für Corona alle nur erdenklichen Schutzmaßnahmen, die uns beschützen sollen, die mit ihren Folge- und Nebenwirkungen die Wirtschaft schädigen, das Leben verändern und lahmlegen. Und für den Tabakkonsum? Die Branche wächst um knapp 2 Prozent, so die Prognosen für die kommenden zwei Jahre. Es gibt Werbung, aber keine Verbote, trotz der bekannten Tatsachen Sind Steuereinnahmen und Arbeitsplätze wichtiger als die Gesundheit von Menschen? Warum bekämpfen wir Corona, aber nicht den Tabakkonsum?

Alles ist immer eine Frage der Relation.  

HIV mit weltweit bisher weit über 30 Millionen Toten, Ebula, Cholera, Malaria, oder die Grippe, Seuchen, die das Leben bedrohen, Seuchen, die weltweit unterschiedlich wüten und verbreitet sind, Viren, die alles andere als besiegt oder etwa nicht mehr angriffslustig sind. Die viel zu hohe Zahl der Verkehrstoten. Opfer von Kriegen, Opfer von Gewalt und Not, von Wasser- und Nahrungsmangel. Warum sind die Anblicke dieser weltweiten Nöte nicht ebenso ansteckend wie ein Virus, warum berühren uns diese Nöte nicht viel tiefer, warum ist die Hilfe nicht intensiver, warum nehmen wir Nöte in Afrika so fast unberührt hin, warum beklagen aber Viele lauthals den Corona bedingten Stillstand zurzeit, obwohl man uns doch nur schützen will? Warum schalten sich Intellekt und Logik so schnell aus, wenn ein unsichtbares Virus uns angreift. Es ist die Angst, Angst um unser Leben und Wohlergehen, aber darüber sollten wir andere Nöte nicht vergessen. Lassen wir uns durch die auf Corona fokussierten Medien nicht verunsichern:  Denn jeder Tote weltweit bringt Trauer und Verlust. Auch jene seit 100 Jahren im Schnitt 100 Lawinentote jährlich. In Relation gesehen sind hier die tödlichen Schneemassen ebenso tragisch und tödlich wie die Schneeflocken auf dem Rücken des Marienkäfers, es ist alles immer eine Frage der Relation.

Professor Peter Schallenberg aus Mönchengladbach denkt über die Zu- und Umstände in dieser Zeit nach. Was ist wirklich wichtig im Moment? Nehmen wir uns Zeit um dem Nachzuforschen.

Msgr. Prof. Dr. habil.
Peter Schallenberg

Msgr. Prof. Dr. habil. Peter Schallenberg (Jahrgang 1963) studierte Theologie und Philosophie in Paderborn und Rom, dort wurde er 1988 zum Priester geweiht. Im Februar 2004 wurde er zum Kaplan seiner Heiligkeit (Monsignore) ernannt. Im gleichen Jahr wurde er Professor für Moraltheologie und Christliche Sozialwissenschaften an der Theologischen Fakultät Fulda. Seit 2008 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Moraltheologie an der Theologischen Fakultät Paderborn. Parallel dazu leitet er seit 2010 als Direktor die Katholische Sozialwissenschaftliche Zentralstelle (KSZ) in Mönchengladbach. Die KSZ ist eine Einrichtung der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Im Mittelpunkt ihrer Tätigkeit steht die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit sozialen und gesellschaftspolitischen Fragen auf der Grundlage der Katholischen Soziallehre und der Christlichen Sozialethik. Neben der Veranstaltung von Tagungen – auch im internationalen Rahmen und in Zusammenarbeit mit den katholischen Sozialverbänden – publiziert die KSZ auch eine Vielzahl von Schriften (nähere Informationen unter: www.ksz.de) . Neben einer Vielzahl von Beraterfunktionen – u.a. bei der deutschen Bischofskonferenz und namhaften Verbänden – ist Peter Schallenberg auch seit 2019 Mitglied des von Papst Franziskus neugegründeten Dikasteriums für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen.

Janna Wegmann, Münster, Juristin
Janna Wegmann, Münster, Juristin

Solidarität zeigen für Flüchtlinge, für Minderheiten, für Unterdrückte, für die Umwelt, für Kinder, für Opfer von Nationalsozialisten und Faschisten.

Wie oft finde ich mich, wie im Sommer auf dem kleinen und so friedlichen Punkfestival, inmitten von Menschen wieder, die – wie ich auch – für all das einstehen. Die für all das auf die Straße gehen, die für all das, für ihre Überzeugung, Streit mit ihren besten Freunden und ihrer Familie anfangen würden, die aktiv in Vereinen oder anderen engagierten Gruppen und Initiativen für eine Sache eintreten, die sich solidarisch zeigen.

Auch in diesen Zeiten höre ich es überall – lasst uns solidarisch sein, zeigt Solidarität.

Das erste, was auffällt ist, dass sich die Zielgruppen dieser Solidarität sehr verändert haben. So sind die Flüchtlinge etwa im Griechischen Zeltlager Moria auf Lesbos bei vielen in weite gedankliche Ferne gerückt. Der Ausgang zum Loveparadeprozess ist quasi beiläufig hingenommen worden. Und – Wie viele wissen wohl, dass der Abschlussbericht des BKA zu den Ermittlungen des Hanaus Attentats vorliegt und wir dringend solidarische Unterstützung für Opfer rechter Gewalt benötigen?

Auch die wunderbare Leistung unserer Ärzte, die Corona-Patienten aus dem direkten, europäischen Ausland erfolgreich intensivmedizinisch behandelt haben, wurde wenig und teilweise argwöhnisch beäugt. Benötigen wir doch gerade all unsere Solidaritätsenergie im direkten Umkreis – der Feind ist klein, unsichtbar, lauert direkt vor unserer Haustür und heißt COVID-19. Auch, wenn ich der festen Überzeugung bin, dass wir an mehreren Fronten helfen könnten und sich nicht immer alles auf ein Anliegen fokussieren muss, so ist es absolut menschlich, dass wir aktuell Möglichkeiten vor Ort suchen, um – auch uns – in dieser chaotischen Lage zu helfen.

Rührend sind Videos aus Spanien, in denen eine Krankenschwester vom Dienst nach Hause kommt und in dem Treppenflur ihres Wohnhauses mit Applaus, Torten und selbstgebastelten Plakaten von ihren dankbaren Nachbarn begrüßt und für ihre unermüdliche Arbeit im Krankenhaus gefeiert wird. Bei uns im Viertel wird der Zaun eines derzeit geschlossenen Spielplatzes genutzt, um für Bedürftige Essen, Kleidung oder Hygieneartikel verpackt in Tüten bereit zu hängen , die abgeholt werden können. Es gibt sicher gerade unzählige Beispiele aus dem privaten, zwischenmenschlichen Bereich, die die Überschrift “Danke” tragen und die es sich lohnen würde, in den abendlichen Nachrichten zu würdigen.

Und da komme ich zu dem Punkt, der mich wütend und zweifelnd zurücklässt. Denn neben jedem einzelnen von uns, wird nun auch in der Politik und der Verwaltung das Wort Solidarität großgeschrieben – Prämie für die Pflege, Homeoffice Ausstattung vor allem bei Personen, die einer Risikogruppe angehören, Rettungsschirme für Unternehmen – es gibt viele Beispiele. Doch – ohne, dass ich einen Blick in das Labyrinth der politischen Absprachen, Prognosen und Entwicklungen werden werde…, was passiert, wenn einfach mal Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes die Idee realisieren wollen, sich dankbar zu zeigen? Ein Zeichen in Richtung Kliniken in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft setzen, den Kolleginnen und Kollegen danken wollen. Ich habe gelernt, dass es ich nicht einfach die Organisation von Food Trucks vorantreiben kann, die als kleine Abwechslung bei den Helfern vor Ort aufgestellt werden; wir nicht einfach mithilfe der gegebenen Infrastrukturen eine Videoreihe “Wir wollen euch danken” von Kollege zu Kollegin starten können; wir uns nicht schnell dafür einsetzen können, dass Parkgebühren erlassen werden, so dass mehr Beschäftigte mit dem Auto kommen können und so eine sicherere Anreise als mit dem ÖPNV haben.

Und warum? Weil es Befindlichkeiten gibt. Wenn wir die einen loben, müssen wir berücksichtigen, dass es mehr gibt, die derzeit hart arbeiten – ja klar! Wenn wir Food Trucks aufstellen oder anders “Geld fließen” lassen, werden Einwände kommen, dass es lieber den einzelnen Menschen in der Pflege direkt zufließen sollte – immer gerne. Es wird immer ein Gegenargument, ein ABER geben.

Doch geht es hier nicht um versteckte Tarifverhandlungen im frühlingshaften solidarischen Kleidchen. Es geht um die Verwirklichung des menschlichen Bedürfnisses danke zu sagen, sich empathisch zu zeigen in einer Situation, in der viele einfach nur hilflos von ihrem Homeoffice Arbeitsplatz in der Küche auf das ungespülte Geschirr starren.

Da muss es doch möglich sein, zu unterschieden. Ich finde Gleichberechtigung äußerst sexy – so soll doch jeder die Möglichkeit haben, die sein Nachbar auch hat.

Manchmal glaube ich, wir verlernen zu gönnen; uns für andere zu freuen; zu verstehen, dass das Prinzip Karma näher und realer ist, als uns oft lieb ist.

All diese dargestellten Befindlichkeiten sorgen am Ende dafür, dass jeder wieder bei sich ist, sich um sich kümmert und – vor allem die öffentliche – Solidarität wieder ein bisschen mehr bereits im Kern erstickt wird. Doch hier hilft kein teures Beatmungsgerät oder ein guter Rat á la Drosten. Hier bedarf es Mut. Mut von jedem. Mut, es nicht allen recht machen zu können. Mut anzuecken. Mut, zu seiner Meinung zu stehen. Mut mit seiner Meinung andere anzustecken – also ganz ohne die derzeit fast schon trendigen Atemschutzmasken – hier ist Ansteckung erwünscht!

Auch das ist Solidarität. Es wird immer den einen oder die andere geben, die Dinge anders sieht. Die sich benachteiligt fühlt. Doch anstatt dem Großteil, der Mehrheit die Chance zu geben, zu helfen, vielleicht sogar sich selber zu helfen, da man für einen Moment abgelenkt ist von den eigenen Sorgen, werden gute Ideen nicht realisiert und einer theoretischen Möglichkeit des Störgefühls einzelner ewig Unzufriedener Platz gegeben.

Solidarität war immer wichtig, wird immer wichtig sein und jetzt gerade – ist sie besonders wichtig – denn in Zeiten von Isolation, Quarantäne und Unsicherheit ist sie ein Bindeglied zwischen dir und mir; von Wohnzimmer zu Küche; von Büro zu Klinik

„Wo die Weser einen großen Bogen macht, wo der Kaiser Wilhelm hält die treue Wacht“, heisst es in dem Heimatlied der Ostwestfalen. Gemeint ist damit die Porta Westfalica, die Westfälische Pforte, der Durchbruch der Weser zwischen Wiehen – und Wesergebirge.

So ein Fluss ist Heimat, birgt Erinnerungen, wie das erste Baden in den Sommermonaten um 1959 . „Ein Schiff, ein Schiff“, riefen die Kinder und standen knietief im Wasser, es war strikt verboten, ohne Aufsicht weiter zu gehen. Auch so spürten sie zum ersten Mal die Kraft des Elements, der Sog zog kräftig Kies und Sand unter den Füssen fort, die darauf folgenden Wellen machten das Wasser lebendig, gaben einen Vorgeschmack auf das Meer und weckten bei manchen die Sehnsucht danach.

Älter geworden und im Besitz des Freischwimmerabzeichens, gehörte es später zur Mutprobe, den Strom mit seiner raschen Strömung zu durchqueren. Das ging nicht auf direktem Weg, es galt, mit der Strömung eins zu sein, leicht schräg mit ihr zu schwimmen. Daraus kann man eine Lebensphilosophie machen – sich treiben lassen, mit Druck ein wenig schräg dagegen, aber nie die Richtung aus den Augen verlieren. Herzklopfen und Stolz, es geschafft zu haben!  Eine gefährliche Probe, denn zu der starken Strömung kam die Gefahr der Flussdampfer, deren Sog schon manch guten Schwimmer erfasst hatte. Auch wussste man in den 50er Jahren noch wenig von den Abwässern, dem Gift, das bald Leben in der Weser tötete.

Mit zunehmendem Alter veränderte sich der Blickwinkel auf den Fluss , nämlich beim Sport, dem Rudern. Vom flachen Wasser schaute man in die Böschungen, liessen sich Wasservögel beobachten und man konnte träumen, sich mitziehen zu lassen, den Fluss vorwärts zu erleben bis zur Nordsee, Bremerhaven, ausschiffen nach Übersee, Amerika. Für manche wurde der Traum war.

Heute ist die Weser mit ihrem wieder sauberen Wasser ein Besuchermagnet, selbst in Coronazeiten tummeln sich Radfahrer auf den gut ausgebauten Radwegen, die zum Teil auf den alten Treidlerpfaden angelegt wurden, auf denen man in alten Zeiten die Flussschiffe flussaufwärts zog. Dazu gibt es in Minden eine Besonderheit: seit über hundert Jahren wird die Weser hier vom Mittellandkanal überquert, eine Schleuse verbindet Fluss und Kanal. Inzwischen hat sich die Flussschifffahrt zum größten Teil auf die künstliche Wasserstraße verlegt, der Hafen liegt dort oben. Auf der Weser sieht man fast nur noch Ausflugsdampfer, kleine Jachten und Sportboote. Wo am Ufer sonst reges Leben herrscht, in Biergärten, Beach-Bars mit aufgehäuften Sandstränden, ist in Coronazeiten die alte Beschaulichkeit wieder eingezogen. An stillen Buchten, Wiesen und Kieselstränden lässt es sich mit Blick auf die Porta Westfalica wieder ungestört träumen.