„Schweige und höre, neige deines Herzens Ohr!“ – dieser Gedanke des hl. Benedikt (480-547) mag auch gestressten Menschen unserer Zeit zu denken geben. Wahrscheinlich jeder kennt manchmal die Sehnsucht nach Einsamkeit, den Wunsch, Zeit für sich selbst zu haben, um zu reifen, Entscheidungen zu treffen, um zu erfahren, wer ich bin.
Maria Leistner (sie selbst ist blind) erfährt das „hier und jetzt“ ganz besonders beruhigend.

Dr. med. W. Baumgärtner
Dr. med. W. Baumgärtner, Melle

Dr. med. Wolfgang Baumgärtner mit einem Gedanken zu 3Mose 26,6 Ich will Frieden geben in eurem Lande, dass ihr schlaft und euch niemand aufschrecke. Ich will die wilden Tiere aus eurem Lande wegschaffen, und kein Schwert soll durch euer Land gehen.

Barbara Wegmann
Barbara Wegmann, Journalistin, Münster

Ich habe mir vor wenigen Wochen ein uraltes Röhrenradio gekauft mit Plattenspieler. Stolz war ich, und wie, nur: der Plattenspieler leiert noch etwas, das kann behoben werden. Mit meinem Lebensgefährten saß ich abends gemütlich bei einem Glas Wein, er machte das Radio an, und nachdem sich das magische Auge schloss kam sehr deutlich WDR 2 oder 1Live, ich weiß es nicht mehr, klar und klangvoll, eine für das Alter des Radios gute Klangqualität. Aber schnell schauten wir uns an und waren uns einig: diese modernen Klänge passen einfach nicht zu einem so alten Radio, wir probierten es mit einem Klavierkonzert, schon besser und dann fiel mir ein, dass ich noch eine uralte Schallplatte mit Paul Lincke Melodien habe, dirigiert von Alfred Hause, den ich einmal in Hahnenklee kennenlernen durfte. Bei „Glühwürmchen, Glühwürmchen glimmre“ oder der „Berliner Luft“ oder „Bis morgens früh um fünfe, kleine Maus“ da war es da, dieses stimmige Gefühl, das waren die Klänge, die zu diesem alten Radio passten, es harmonierte einfach. Perfekt

So ähnlich sehe ich die Situation auch zurzeit, da klingen oftmals Töne und Worte aus Zeitung und Radio, Fernsehen und Internet, die nicht so recht passen wollen zu einem ohnehin momentan nicht ganz leichten Leben. Deutschlands größtes Boulevardblatt allen voran: da wird Angst geschürt in manchen Beiträgen und man beschäftigt man sich mit der Frage, wie Homeoffice bei Pornostars aussieht. Töne und Worte, die so gar nicht passen wollen, sind das die Dinge, die uns bewegen?

Mich überzeugen mehr die Menschen, die sich klar an Fakten halten, die keine Panik, sondern fundiertes Wissen verbreiten, die, die souverän und ruhig uns durch diese schwierige Zeit leiten, ohne politische Intentionen, ohne Geschmacklosigkeiten. Die ihren Verstand und ihr Herz sprechen lassen. Authentisch, vertrauensvoll.  Ich kann nichts anfangen mit standardisierten Äußerungen, mit Horrorvisionen, Fakenews, mit Übertreibungen. Wir haben auch keine „Helden“, die wir beklatschen, zu denen wir aufschauen müssen. Wir haben Menschen, die tatsächlich Großartiges leisten, aber statt sie zu Helden zu machen, sollten ihre Gehälter steigen, was sie schon lange ganz sicher verdient hätten!

 Es kommt also auf uns selbst an, mit wachem Verstand das richtige „Programm“ zu finden und kritisch zu filtern, jene Klänge, Töne, Worte, bei denen wir ohne Vorbehalt sagen: ja, das ist es, das glaube ich, dem vertraue ich, da stehe ich hinter. Passen sie gut auf sich auf

Günter Weingarten
Diakon Günter H. Weingarten ist seit 1997 Mitglied im Brüder- und Schwesternrat, seit 2016 Mitglied im Seniorenbeirat der Gemeinschaft. Foto: Anja Kruse

Eine Begebenheit aus den siebziger Jahren erinnert Günter Weingarten aus Bad Essen.

„Wunder gibt es immer wieder, heute und auch morgen, können sie gescheh’n“ – sang Katja Ebstein 1970 beim Song Contest Eurovision für Deutschland.
Vergebung – und damit ein Neuanfang – ist auch heute möglich.

Günter H. Weingarten, Diakon u. ehem. Brüderältester der ‚Diakonischen Brüder- und Schwesternschaft Wittekindshof‘, aus Bad Essen.


Bärbel Fünfsinn, 1962, Theologin und Sängerin, war lange Zeit als Lateinamerikareferentin in der  
ev. Nordkirche in Hamburg und arbeitet nun als Lehrerin Foto: Matthais Grosse

Bärbel Fünfsinn ist gerade aus Kolumbien zurück gekommen, da beginnt in Deutschland und Weltweit die Corona-Krise. Jeden Tag denk sie an die Freund in Kolumbien, ihre Gedanken sind dort und die Sorge wie es ihrer Freundin Ulrike und Menschen in Kolumbien geht, wächst. Sie berichtet und ruft auf zur Hilfe.

Die Ewige ist mein Licht- CD

Die Ewige ist mein Licht- CD – hören Sie hier den Titelsong

Die CD: Die EWIGE ist mein Licht, morderne und alte Psalmen, gibts es bei ihr zu bestellen für 15€,

www.baerbelfuenfsinn.com

Michael Göcking
Michael Göcking, Pfarrbeauftragter in Wellingholzhausen

Sophie Scholl glaubte zunächst wie ihr zweieinhalb Jahre älterer Bruder Hans Scholl an das von den Nationalsozialisten propagierte Gemeinschaftsideal und trat 1934 dem Bund Deutscher Mädel (BDM) bei. Sie engagierte sich für ihre Jungmädel-Gruppe und wurde Scharführerin.
Sophie veranstaltete wie ihr Bruder Mutproben und Härtetests, um sich und den anderen das Äußerste abzuverlangen. Später wandte sie sich von den Jugendorganisationen der NSDAP ab. Nach dem „Reichsparteitag der Ehre“ 1936 nahm sie zusammen mit ihrem Bruder Hans am Gruppenleben der Deutschen Jungenschaft vom 1. November 1929 (kurz „dj.1.11“) teil, einem von Eberhard Koebel gegründeten Jugendbund, der in der Frühphase des Dritten Reiches versuchte, trotz Verbot noch weiterzuexistieren.

Von RyanHulin - Eigenes Werk

Von RyanHulin – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0,

Im Herbst 1937 wurde Sophie zusammen mit ihren Geschwistern für einige Stunden verhaftet, weil ihr Bruder Hans wegen fortgesetztem Engagement in der Bündischen Jugend verfolgt wurde. (Quelle: Wikipedia)

Michael Göcking hat ein paar Gedanken zum Jahrestag

Seitdem ich blind bin, und das bin ich seit 37 Jahren, treibt mich die dahinterstehende Augen Erkrankung um, manchmal auch vor sich her.

Ab und zu muss ich zum Arzt, werde immer mal wieder an einem der Augen operiert. Doch ich habe gelernt damit umzugehen und trotzdem zufrieden zu sein.

Wie das geht? Ich habe eine liebe Frau und eine große Familie.

Die Enkelkinder vermissen uns, schreiben uns elektronisch, wie gern sie bei uns wären, im Garten, auf dem Grundstück.

Meine Blindheit ist dabei kein Thema, warum auch. Jeder hat inzwischen gelernt,

damit umzugehen. Nur ich selbst bin ab und zu traurig, frustriert,

weil die Krankheit mich einfach nicht loslässt.

Aber dann ruft meine Frau, und es gibt wichtigeres zu tun,

als über meine Schwächen zu grübeln und sich zu grämen.

Jetzt sind meine Stärken gefragt!

Am besten hilft mir dabei gegen den Frust,

ein Buch nach dem anderen zu schreiben.

Dies habe ich für mich rechtzeitig nach der Erblindung entdeckt,

seitdem ich in meinem Beruf nicht mehr arbeiten kann.

Also schreibe ich und die Zeit vergeht, und die Familie wächst weiter.

So weiß ich auch, wer meine Bücher demnächst einmal lesen wird:

meine Kinder und meine Enkel. Dafür lohnt sich fast jede Mühe.

Kürzlich fiel mir ein Gedicht ein, dass meine Situation

trotz aller Mühen und die Gesundheit knapp zusammenfasst.

Hier ist es:

Barbara Wegmann
Barbara Wegmann, Journalistin, Münster

Hatten wir gestern noch das Gefühl von Isolation und Abgeschottet sein, so warten am Wochenende schon sonnige Biergartentische auf uns, die ersten Appartements an Nord- und Ostsee dürfen wieder öffnen, die ersten Ausflüge auf Campingplätze oder zu touristischen Zielen sind wieder möglich. Das sind schöne Aussichten, das Wetter soll sonnig bleiben, die Freude auf das, was wir lange Wochen entbehrten, sie ist groß.

Nun kommen sie also, die Lockerungen, die Politiker weitaus intensiver vorangetrieben haben, als es den Bürgen offenbar lieb ist, immerhin hielten gestern Mittag noch über 80 Prozent der Bürger in einer Telefonumfrage bei NTV die Maßnahmen für viel zu früh.  Immerhin gibt es Virologen, die vor einer zweiten Infektionswelle eindringlich warnen und die Lockerungen sogar als „hochriskant“ bezeichnen… Und dann gibt es Politiker, die ohne von Zweifeln geplagt zu werden sich vors Mikrofon stellen und behaupten wir sollten uns keine Angst machen lassen und alles ginge sowieso viel zu langsam. Mit der Angst, da haben sie natürlich recht, Angst ist nie ein guter Begleiter im Leben, aber wie sieht sie wirklich aus, die Situation zurzeit? Politiker, die in ihren Entscheidungen gelenkt werden von Umfragewerten für ihre Partei? Die meinen, umso besser dazustehen, je mehr sie den Wählern an Lockerungen zukommen lassen? Politiker, die Wahlen im Blickfeld haben und sich mal wieder vor den Karren von Industrie und Wirtschaft spannen lassen, die bei dem Balanceakt zwischen Schutz der Bevölkerung und Unterstützung für die Wirtschaft um ihr eigenes Profil fürchten? Zugegeben, es ist eine sehr schwierige Situation. Eine Situation, die- auch im Vergleich zu anderen Ländern bisher aber doch prima gewuppt wurde, vor allem: mit einer gemeinsamen Strategie. Was sich allerdings vorgestern auf Länderebene tat, das war wie ein Dammbruch, der alles an gemeinsamen Anstrengungen erst einmal umwarf: fast stündlich kamen neue Meldungen welches Bundesland welche Lockerungen präsentiert, dabei war doch für gestern die Bund- Länder- Konferenz angesetzt, die eben diese Beschlüsse gemeinsam- auch mit der Bundeskanzlerin-  fassen wollte. Öffnungsdiskussions- Orgien, davor hatte die Kanzlerin schon Tage vorher deutlich gewarnt, war dafür heftig kritisiert worden, aber genau das trat nun ein. Ein „politisches Schaulaufen“ sei das gewesen, sagen Kommentatoren, sprechen von „politischen Eitelkeiten“ und haben so Recht.  Der Tanz um das goldene Kalb ist voll entbrannt.

Während der Bürger mühsam in diesen Wochen gelernt hatte, Abstand zu halten, Masken zu nähen, Schlange zu stehen, mit Homeoffice und geschlossenen Kitas klar zu kommen, auf den Cappuccino im Lieblingscafé und den Friseur zu verzichten, hat er aber auch die Einsicht gewonnen, dass eine Beschneidung persönlicher Freiheiten zu unser aller Wohl ist. In der Beschneidung unseres gewohnten Alltags lag plötzlich auch ein Umdenken, wie sauber doch die Luft wurde, wie sauber manche Gewässer, wie angenehm Ruhe und Entschleunigung sein können, statt der Jagd nach immer mehr, weiter, höher… Geht all das nun wieder verloren? Die Einsicht, dass es viele Berufsgruppen gibt, die viel zu schlecht bezahlt werden, das kreative Denken, etwas anders zu machen, wenn etwas nicht mehr wie gewohnt möglich ist? Fällt man nun schnell wieder in alte Strukturen ohne etwas zu ändern und aus der Krise gelernt zu haben? Das wäre schade.

Angesichts der Tatsache, dass- wie Wissenschaftler behaupten- wir noch mitten in der Pandemie stecken- gehen die Lockerungen und ihre so plötzliche Dynamik gefühlt in die falsche Richtung. Hoffen wir, dass Verantwortung der Verlockung nicht unterliegt.