Bertold Becker - Pfarrer der Evangelich-Reformierte Kirchengemeinde Bielefeld
Bertold Becker – Pfarrer der Evangelich-Reformierte Kirchengemeinde Bielefeld

In der alten Pfingstgeschichte, die der Evangelist Lukas erzählt, werden die Freundinnen
und Freunde Jesu auf einmal – wie durch einen frischen Wind – mit soviel neuem
Lebensatem erfüllt, dass sie hinausgehen – aus ihrer Enge – auf den Marktplatz treten und
mit Feuer und Flamme reden, was sie antreibt:
„Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr… Ehre sei Gott in der
Höhe und Frieden auf Erden“ bei euch, in euch, um euch herum und auf der ganzen
Welt!
Die Angesprochenen, die aus aller Welt kommen, ihnen kommt es so vor, als würden sie
in ihrer Muttersprache angeredet – weil sie etwas hören, was sie tief innen bewegt,
anspricht und aufrichtet.
Mit dem pfingstlichen Geist sind wir in unserer Muttersprache berührt und zu einer
Gemeinschaft berufen, in der alle dazugehören, selbst wenn an Pfingstsonntag nur 50
Menschen in der Süsterkirche sind.
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Jesu Geist lehrt den Glauben an die Kraft der Liebe.
Der Evangelist Matthäus schließt sein Evangelium darum mit folgenden Worten:
„Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden. Darum geht hin und macht zu
Nachfolgerinnen und Nachfolgern alle Völker. Taufet sie“
also – stellt sie hinein in die Kraft Gottes –
„und lehret sie, was ich geboten habe“ (Mt 28,19-20)
Frieden auf Erden! Kraftvoll sind die sanft Mutigen! Ihnen gehört die Erde!
Hier geht es nicht um einen imperialistischen Taufauftrag, in dem jede und jeder bekehrt
werden soll!
Der Taufauftrag bedeutet vielmehr, die und den anderen, die ganze Welt hineinzudenken
in die Gemeinschaft mit Gott, weil in Gott jede und jeder mit Kraft umgeben ist – mit der
Kraft des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe.
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Auf ans Werk! Lasst sie uns sichtbar machen diese Kraft der Teilhabe, der Verständigung,
der Hoffnung, die niemanden ausschließt, die keine Flüchtlingsghettos schafft und
Kriegswaffen exportiert.
Pfingsten ist dieser Geist, diese Vision, dieser Mut von einem Zusammenleben, in der jede
und jeder heilig ist und frei und lebendig, weil sie und er von der Quelle lebt und
getragen ist in Gott. Die ganze Schöpfung ist Teil dieser Gemeinschaft, nicht nur
Menschen, sondern auch Tiere und Insekten und Bäume sind heilig.
Pfingsten – das ist der Traum von der Schönheit der Welt, die im Zusammenleben sichtbar
wird.
Pfingsten ist der Traum von einer Gemeinschaft, in der auf leeren Stühlen in einer Kirche
andere mitgedacht sind…
Pfingsten ist ein Traum von einer Gemeinschaft, in der immer Stühle frei bleiben, weil
jede und jeder willkommen ist…
Ich glaube an diese heilige, allgemeine, umfassende Kraft der Gemeinschaft in Gott, die
immer international ist und zugleich lokal und regional.
Sie ist unsichtbar – und wird doch sichtbar durch uns Menschen, die wir ihr trauen und
folgen.
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Es ist jetzt genau ein Jahr her, Pfingsten 2019:
Da gab es eine junge Frau, die sich durch eine Freundschaft anrühren ließ von der Not der
nomadischen Gemeinschaft der Wodaabe.
Diese alte Wüstengemeinschaft lebt im Niger – am Rande der Sahara… Ihr Brunnen war
eingefallen und gab keinerlei Wasser mehr. Vieherden waren gestorben, denn in dem
Wandel des Klimas blieben Regenfälle aus – und ganze Ernten verdorrten. Wie also
überleben – ohne Geld und „Brot und Wein“?
Nomadischer Schmuck – verkauft in Europa – sollte den Stamm retten…
Einer wurde losgeschickt – doch einer allein konnte soviel Schmuck gar nicht verkaufen,
wie nötig gewesen wäre, um den Brunnen zu reparieren und tiefer zu graben
(denn mit dem Klimawandel sinkt auch das Grundwasser).
Pfingsten vor einem Jahr gab es eine junge Frau, die eine Freundschaft pflegte und ein
Netzwerk knüpfte …
… und dieses Netzwerk dazu führte, dass im Ökumenischen Pfingst-Gottesdienst 2019 auf
dem Klosterplatz eine großartige Kollekte gesammelt wurde…
und einzelne dazugegeben haben …
und dann der Brunnen gebaut werden konnte …
und ein Freudenfest in der Sahara gefeiert wurde, so ausgelassen,
dass es bis nach Bielefeld hörbar war.
In Corona-Zeiten stellt sich heraus, dass der Brunnen mit dem lebendigen Wasser des
Lebens nicht ausreicht, sondern die rasant gestiegenen Preise von Lebensmittel, Medizin
und Hilfsgütern Menschen überall in der Welt an ihre Existenznot bringt.
Umso mehr gilt es, Pfingsten zu feiern, diesen Jesus-Geist mit dem Traum von einer
Gemeinschaft, die füreinander eintritt, die von der Quelle getragen ist, von Zuversicht
und Hoffnung und Liebe.
Überall entsteht diese Gemeinschaft.
Sie ist nicht tot zu kriegen.
Das beseelt mich.
Das erfüllt mich.
Das macht mir Mut.
Das gibt mir Hoffnung.
Das tröstet mich bei Fehlern und bei Versagen.
Christus ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden!
Halleluja!
Frohe Pfingsten!

Petra Schulze
Evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR und Leiterin des Evangelischen Rundfunkreferates NRW in Düsseldorf.

Die Evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR und Leiterin des Evangelischen Rundfunkreferates NRW in Düsseldorf, Petra Schulze, erzählt von einer besonderen Frau.

Pauline Christine Wilhelmine zur Lippe (geborene Prinzessin von Anhalt-Bernburg, seit 1796 Fürstin zur Lippe; * 23. Februar 1769 in Ballenstedt; † 29. Dezember 1820 in Detmold) war von 1802 bis 1820 Regentin des deutschen Fürstentums Lippe und gilt dort als eine der bedeutendsten Herrscherinnen von Lippe. Sie hob am 1. Januar 1809 durch fürstliche Verordnung die bis dahin bestehende Leibeigenschaft der Bauern auf, bewahrte die Selbstständigkeit Lippes und bemühte sich um eine Verfassung, mit der die ständische Ordnung aufgebrochen wurde. Im kollektiven geschichtlichen Bewusstsein der lippischen Bevölkerung rangiert jedoch ihr soziales Engagement an erster Stelle.[1] Sie gründete die erste Kinderbewahranstalt in Deutschland, eine Erwerbsschule für verwahrloste Kinder, ein freiwilliges Arbeitshaus für erwachsene Almosenempfänger und eine Pflegeanstalt mit Krankenstube. (Quelle; Wikipedia)

Udo Waschelitz, Diplom-Religionspädagoge
Udo Waschelitz, Diplom-Religionspädagoge und langjähriger Redakteur bei der evangelischen Wochenzeitung Unsere Kirche

Einen riesigen Rettungsschirm hat der Bundestag aufgespannt. Damit sollen Unternehmen, Krankenhäuser und andere Einrichtungen in der Corona-Krise finanziell unterstützt werden. Von einem Rettungsschirm ist auch in der Bibel die Rede. In einem Psalm heißt es: „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.“ Gottes Schirm beschützt nicht vor dem Regen wie der Regenschirm und nicht vor der Sonne wie der Sonnenschirm. Für den Psalmbeter ist der Schirm ein schönes Bild für Geborgenheit und Zuversicht in schweren Zeiten. In diesem mehr als zweitausend Jahre alten Text kann man sogar aktuelle Bezüge erkennen, wenn es heißt: „Gott ist Schirm und Schutzschild, dass du nicht erschrecken musst vor den Grauen der Nacht, vor der Pest, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt.“

Es lohnt sich, die Psalmen zu lesen. Das bestätigt auch eine Frau aus Paderborn, die ihrer Tageszeitung geschrieben hat: „Ich habe mich gerade nach längerer Pause wieder den Psalmen aus der Bibel gewidmet. Sie spenden mir Trost.“ Udo Waschelitz

Pfafferin i.R. Erika Strunck, Dortmund
Pfarrerin i.R. Erika Strunck, Dortmund

Dietrich-Bonhoeffer:

Ich glaube, dass Gott aus allem auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.