Friedhelm Vetter / Hamburg

Ich liebe Auto-Scooter fahren. Wenn irgendwo die Gelegenheit ist, setze
ich mich mit Begeisterung in diese eiförmigen Schleuderkisten. Damit ist
alles erlaubt, was ich mit meinem Auto besser nicht mache. Und das
beste: Es gibt nur zwei Zustände: Vollgas oder stehen bleiben. Also heize
ich wie ein Wilder quer über die Fläche, finde mich irgendwann mitten in
einem Pulk Gleichgesinnter wieder und freue mich wie ein Schneekönig,
wenn ich meinen Nachbarn voll in die Seite rammen kann.
Auf meiner Heimfahrt werde ich dann wieder zum braven
Verkehrsteilnehmer, blinke rechtzeitig vor der Ampel und lächele dem
Polizisten an der Straßenecke freundlich zu.
Auto-Scooter fahren und im Straßenverkehr unterwegs sein sind eben
zwei Dinge: Auto-Scooter fahren macht Spaß, Auto fahren hingegen soll
mich ans gewünschte Ziel bringen.
Genauso sieht’s mit meinem Leben aus: Ich kann durch’s Leben
schleudern. Immer drauf, egal was kommt. Das macht Spaß. Aber ich
muss mit Schrammen und Blessuren rechnen. Und außerdem drehe ich
mich nur im Kreis oder bleibe irgendwo eingekeilt stecken. Die
Alternative: das Leben zielorientiert fahren. Ein Vorbild könnte der
damalige König David aus Israel sein. Der sagt: „Gott, ich brauche dich
jetzt, um mal richtig zu leben. So, wie du es für mich vorgesehen hast,
führe mich durch deine Kraft, das macht Spaß und ist krass. Dann werde
ich sehen, wie du Felsen bewegst, wie du meinen Weg lenkst…“
Also: Nicht ich reiße wild am Steuer meines Lebens. Sondern Gott ist der
Pilot.
Heißt die Parole also: Leb’ schön ordentlich und fromm …? Ich glaube, es
ist wichtig, den feinen Unterschied zu sehen. Gott ist kein Spielverderber.
Er gönnt uns den Spaß. Jesus hat gern rauschende Feste gefeiert und
sogar für neuen Wein gesorgt, als der alte alle war. Derselbe Gott freut
sich aber eben auch über Menschen wie David, die bei ihm Orientierung
für den grundsätzlichen Kurs ihres Lebens suchen. Ich glaube: Jesus würde
heute mit mir Auto-Scooter fahren. Wir hätten viel Spaß und anschließend
sicherlich noch ein gutes Gespräch.

Professor Peter Schallenberg aus Mönchengladbach denkt über die Zu- und Umstände in dieser Zeit nach. Was ist wirklich wichtig im Moment? Nehmen wir uns Zeit um dem Nachzuforschen.

Msgr. Prof. Dr. habil.
Peter Schallenberg

Msgr. Prof. Dr. habil. Peter Schallenberg (Jahrgang 1963) studierte Theologie und Philosophie in Paderborn und Rom, dort wurde er 1988 zum Priester geweiht. Im Februar 2004 wurde er zum Kaplan seiner Heiligkeit (Monsignore) ernannt. Im gleichen Jahr wurde er Professor für Moraltheologie und Christliche Sozialwissenschaften an der Theologischen Fakultät Fulda. Seit 2008 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Moraltheologie an der Theologischen Fakultät Paderborn. Parallel dazu leitet er seit 2010 als Direktor die Katholische Sozialwissenschaftliche Zentralstelle (KSZ) in Mönchengladbach. Die KSZ ist eine Einrichtung der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Im Mittelpunkt ihrer Tätigkeit steht die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit sozialen und gesellschaftspolitischen Fragen auf der Grundlage der Katholischen Soziallehre und der Christlichen Sozialethik. Neben der Veranstaltung von Tagungen – auch im internationalen Rahmen und in Zusammenarbeit mit den katholischen Sozialverbänden – publiziert die KSZ auch eine Vielzahl von Schriften (nähere Informationen unter: www.ksz.de) . Neben einer Vielzahl von Beraterfunktionen – u.a. bei der deutschen Bischofskonferenz und namhaften Verbänden – ist Peter Schallenberg auch seit 2019 Mitglied des von Papst Franziskus neugegründeten Dikasteriums für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen.

Michael Göcking erzählt vom Projekt Baumpaten in Wellingholzhausen.

Ein schönes Projekt in dieser turbulenten Zeit.

Margot Käßmann
Margot Käßmann © Julia Baumgart Photography

Was wir in Krisenzeiten erkennen, wie wir weiterhin Freundschaft leben können, welche Menschen jetzt unsere Hilfe benötigen. Verantwortung zu übernehmen und ein gewisses Gott-Vertrauen zu haben.
Darüber sprach die Theologin, Pfarrerin und ehemalige Landesbischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover Margot Käßmann im Interview mit Martina Vogt.

Evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR und Leiterin des Evangelischen Rundfunkreferates NRW in Düsseldorf.
Evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR und Leiterin des Evangelischen Rundfunkreferates NRW in Düsseldorf.

Die “Kleinen” Dinge sind es, die in dieser Zeit auffallen.
Besonders schöne Erlebnisse und Erkenntnisse hatte Petra Schulze diese Ostern in Lemgo.

Petra Schulze
Evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR und Leiterin des Evangelischen Rundfunkreferates NRW in Düsseldorf.

Die Evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR und Leiterin des Evangelischen Rundfunkreferates NRW in Düsseldorf, Petra Schulze, erzählt von einer besonderen Frau.

Pauline Christine Wilhelmine zur Lippe (geborene Prinzessin von Anhalt-Bernburg, seit 1796 Fürstin zur Lippe; * 23. Februar 1769 in Ballenstedt; † 29. Dezember 1820 in Detmold) war von 1802 bis 1820 Regentin des deutschen Fürstentums Lippe und gilt dort als eine der bedeutendsten Herrscherinnen von Lippe. Sie hob am 1. Januar 1809 durch fürstliche Verordnung die bis dahin bestehende Leibeigenschaft der Bauern auf, bewahrte die Selbstständigkeit Lippes und bemühte sich um eine Verfassung, mit der die ständische Ordnung aufgebrochen wurde. Im kollektiven geschichtlichen Bewusstsein der lippischen Bevölkerung rangiert jedoch ihr soziales Engagement an erster Stelle.[1] Sie gründete die erste Kinderbewahranstalt in Deutschland, eine Erwerbsschule für verwahrloste Kinder, ein freiwilliges Arbeitshaus für erwachsene Almosenempfänger und eine Pflegeanstalt mit Krankenstube. (Quelle; Wikipedia)

Eva-Maria Nolte
Eva-Maria Nolte, Gemeindereferentin im katholischen Pastoralverbund Bielefeld-Ost

„Was machen Sie da?“ Sammeln Sie etwas? Ich habe Ihnen schon die ganze Zeit zugeguckt“, sprach mich ein älterer Mann an. „Ja, ich suche Stücke von alten Fliesen, um damit ein Mosaik zu machen.“ Und dann guckte er mit und reichte mir kurz drauf  ein Stück einer altmodischen Wandkachel. Eine nette Begegnung am Rande einer Baustelle.

Für die schweren LKW werden die Baustellen-Zufahrten meist aus klein zerbröseltem Recycling-Bauschutt angelegt. Und darin findet man schon mal Scherben von alten Wand- und Bodenfliesen aus ehemaligen Abrisshäusern: Viele weiße oder hellblaue – wie man sie eben früher so hatte. Leuchtende Farben findet man nur mit etwas Glück.

Auf keinen Fall wollte ich aber für mein Mosaik ausgesuchte Fliesen dazu kaufen und zerdeppern, um die fehlenden Farben zu ergänzen, denn es sollte ein Lebensgeschichten-Mosaik werden – nur aus Bauschutt-Kachelstücken, die alle für „echte Menschen-Geschichten“ stehen,

Geschichten von Leuten, die unzählige Male über die Badezimmerfliesen gelaufen sind, die sich vor den Kacheln mit Blick in den Spiegel rasiert, die Zähne geputzt oder geschminkt haben, die in ihren vier Wänden geschimpft, gestritten, geweint und gelacht haben.

Die Alltagsgeschichten aus der Zeit, als die Scherben noch ganze Kacheln auf Wänden und Fußböden waren, sollten sich jetzt neu zu einem Lebensmosaik zusammen puzzeln – zumindest, wenn man sich das mit etwas Phantasie so vorstellen will.

Inzwischen ist das Mosaik fertig und es erinnert mich mit den einzelnen Fliesenstücken an diese jetzige irgendwie merk-würdige „Corona-Zeit“, in der alle vereinzelt, „versprengt“ auf ihre eigenen kleinen „Wohn- und Lebens-Zellen“ verwiesen sind – die mit nur wenigen Berührungspunkten – wie die einzelnen Mosaiksteine –  nebeneinander liegen  – mit einem gewissen Sicherheitsabstand einerseits, andererseits aber doch untereinander verbunden, vernetzt, zusammengehalten durch die gefüllten Fugen, so dass kein Steinchen herausfallen kann.

Für mich ist es in diesem verrückten Frühjahr jedenfalls mein persönliches Osterbild,

das mich erinnert an eine – zwar noch etwas zaghaft brennende – Osterflamme, die erst noch Osterfeuer werden will, aber schon anfängt im Dunkel zu leuchten – und an zarte grüne Pflänzlein, die vorsichtig anfangen zu wachsen und Blüten zu treiben.

Apropos „anfangen“: Anfang und Ende – Alpha und Omega! – Das sind die Zeichen der Osterkerze, die wir jedes Jahr in der Auferstehungsfeier entzünden.

Ich fand auch ein kleines Fliesenstück mit einem blauen „A“ in der Glasur. Das habe ich im oberen Drittel, etwas links von der Mitte, platziert.

„A“ wie Abbruch, ja –  aber auch wie Anfang – Aufbruch – und Auferstehung!

Auferstehung und Ostern finden statt – auch in diesem Jahr – wie tröstlich!

 
Eva-Maria Nolte – im April 2020  
Gemeindereferentin im katholischen Pastoralverbund Bielefeld-Ost
Andreas Laqueur, Berlin

Was unterscheidet diese Nacht von allen anderen Nächten?
von Andreas Laqueur, Berlin

Was unterscheidet diese Nacht von allen anderen Nächten? So wird heute Abend wieder gefragt, wie traditionell in jedem jüdischen Haushalt zum Sederabend am Beginn des Passahfestes.
An allen anderen Abenden essen wir Gesäuertes und Ungesäuertes, heute nur Ungesäuertes. So lautet die klassische Antwort. Und auf dem Teller liegen die Matzot, die ungesäuerten Brote, die an den eiligen Aufbruch aus der Sklaverei Ägyptens erinnern.

Dieses Jahr unterscheidet sich die Nacht aber auch von allen anderen Sederabenden der vergangenen Jahre. Immer zum Sederabend am Beginn des Passahfestes versammelten sich Großeltern, Eltern und Kinder, Onkel und Tanten, Cousins and Cousinen zu einer großen fröhlich-festlichen Familienrunde.

Heute Abend sitzen meist nicht mehr als zwei an einem Tisch, Enkel sollen ihre Großeltern nicht besuchen und Kinder nicht ihre Eltern. An vielen Tischen sitzen Menschen ganz allein. Wer stellt nun die klassischen Fragen: Was unterscheidet diese Nacht von allen anderen Nächten. Sonst ist das immer die Aufgabe des jüngsten Kindes am Tisch. Und heute?

Über Videokonferenzen kommen heute viele Familien und Gemeinden zusammen. Natürlich ist das nicht dasselbe, aber vertraute Gesichter und Stimmen von lieben Menschen sind zugegen. Wirklich allein muss niemand bleiben an diesem Sederabend zum Beginn des Passahfestes. Ein Kelch mit Wein steht immer zusätzlich auf dem Tisch, der Kelch für den Propheten Elia. Er ist der Vorbote des Messias. Er ist eingeladen und er kommt unerkannt aber er kommt. Ein Wunsch schließt den Sederabend ab: Nächstes Jahr in Jerusalem – und ein Wunsch kommt in dieser Nacht dazu: Nächstes Jahr wieder in der feierlich-fröhlichen Familienrunde, ob in Jerusalem oder Berlin