Andreas Laqueur, Berlin
Andreas Laqueur, Berlin

Den Eisvogel habe ich nicht entdeckt.

Es ist ein warmer Frühlingsnachmittag, vergangene Woche, als wir noch Ausflüge machen durften. Gleich bei Lübars im Tegeler Fließ strahlen die Wildkirschen in voller weißer Blüte, die Äste wie dick verschneit. Am Köppchensee am Fuß der ehemaligen Mülldeponie stehen wir am Aussichtspunkt. Neben uns ein älteres Ehepaar in Wanderschuhen – beide schauen durch ihre Ferngläser nach unten in das Schilfufer. „Sie sehen so professionell aus. Was beobachten Sie da am See?“ „Einen Eisvogel, da unten gleich rechts neben dem toten Baum“ antwortet die Frau, „aber mit bloßem Auge können Sie ihn nicht sehen.“ Und dann fügt sie mit bedauerndem Lächeln hinzu: „Mein Fernglas kann ich Ihnen ja nicht leihen.“

Nein, das Fernglas kann sie uns nicht leihen. Das habe ich auch nicht erwartet. Am Aussichtspunkt halten wir gebührenden Abstand, sicher drei oder vier Meter. Und ich entdecke etwas anderes, eine neue Achtsamkeit. Dass Sie mir ihr Fernglas nicht in die Hand gibt, das tut sie, um ihre Gesundheit zu schützen und um meine Gesundheit zu schützen. Viele Spaziergänger sind unterwegs, Eltern mit Kindern, Paare und Einzelne – und alle lassen Platz zwischen sich und ihren Mitmenschen. Menschen, die mir begegnen lächeln, nicken sich zu. Den Eisvogel habe ich nicht entdeckt – aber dafür eine neue Achtsamkeit im Umgang miteinander, nicht nur beim Spaziergang im Grünen.

Jeden Tag möchte ich jemandem etwas Nettes sagen, da wo ich noch unbekannten Menschen begegne, der Kassiererin im Supermarkt oder dem Verkäufer an der Backtheke. Und diese neue Achtsamkeit möchte ich mir bewahren – über die Corona-Krise hinaus.

Andreas Laqueur, Berlin

Christine Hölscher - Kath. Pfarreiengemeinschaft St. Clemens und St. Jakobus d. Ältere
Christine Hölscher, Pfarrbeauftragte, Kath. Pfarreiengemeinschaft St. Clemens und St. Jakobus d. Ältere

An diesem 5. Fastensonntag steht in der katholischen Kirche ein biblischer Text aus dem Johannesevangelium im Mittelpunkt, die Auferweckung des Lazarus. Lazarus lebt mit seinen Schwestern Marta und Maria in Bethanien, in der Nähe von Jerusalem. Schon 4 Tage liegt er im Grab, als Jesus endlich kommt … und dann das Wunder!

Christine Hölscher spricht an diesem Sonntag darüber und schlägt den Bogen in unsere Zeit

Die vollständige Ansprache können Sie hier hören:

Vollständige Ansprache
St. Jakobus d. Ältere, Glane
Udo Waschelitz, Diplom-Religionspädagoge
Udo Waschelitz, Diplom-Religionspädagoge und langjähriger Redakteur bei der evangelischen Wochenzeitung Unsere Kirche

Einen riesigen Rettungsschirm hat der Bundestag aufgespannt. Damit sollen Unternehmen, Krankenhäuser und andere Einrichtungen in der Corona-Krise finanziell unterstützt werden. Von einem Rettungsschirm ist auch in der Bibel die Rede. In einem Psalm heißt es: „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.“ Gottes Schirm beschützt nicht vor dem Regen wie der Regenschirm und nicht vor der Sonne wie der Sonnenschirm. Für den Psalmbeter ist der Schirm ein schönes Bild für Geborgenheit und Zuversicht in schweren Zeiten. In diesem mehr als zweitausend Jahre alten Text kann man sogar aktuelle Bezüge erkennen, wenn es heißt: „Gott ist Schirm und Schutzschild, dass du nicht erschrecken musst vor den Grauen der Nacht, vor der Pest, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt.“

Es lohnt sich, die Psalmen zu lesen. Das bestätigt auch eine Frau aus Paderborn, die ihrer Tageszeitung geschrieben hat: „Ich habe mich gerade nach längerer Pause wieder den Psalmen aus der Bibel gewidmet. Sie spenden mir Trost.“ Udo Waschelitz

Pfafferin i.R. Erika Strunck, Dortmund
Pfarrerin i.R. Erika Strunck, Dortmund

Dietrich-Bonhoeffer:

Ich glaube, dass Gott aus allem auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.

 

Gerd Knuth, Mangement des Coro Gospel de Cuba,
Gerd Knuth, Mangement des Coro Gospel de Cuba

Gedanken zum Tag von Gerd Knuth, Bielefeld

Pred 7,14 Am guten Tage sei guter Dinge, und am bösen Tag bedenke: Diesen hat Gott geschaffen wie jenen, damit der Mensch nicht wissen soll, was künftig ist.





Udo Waschelitz, Diplom-Religionspädagoge
Udo Waschelitz, Diplom-Religionspädagoge und langjähriger Redakteur bei der evangelischen Wochenzeitung Unsere Kirche

In diesen Corona-Zeiten sind viele Geschäfte und öffentliche Einrichtungen geschlossen, ebenso kirchliche Gebäude. Hinweise an den Türen machen darauf aufmerksam und bitten um Verständnis. An einem Gemeindehaus meiner Kirchengemeinde hängt außerdem ein Blatt mit einem Bibelvers, der wunderbar in diese aufgeregte Zeit passt. Er lautet: „Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“

Besonnenheit in aufgeregten Zeiten von Corona-Pandemie und Corona-Panik. Besonnenheit ist gefragt, wenn Sorgen und Ängste die Menschen quälen. Und wir brauchen Kraft, um nicht wegen angeordneter Bewegungs- und Kontakteinschränkungen zu verzagen. Manche Menschen empfinden die Aufforderung, zu Hause zu bleiben, als eine Zumutung. Doch was ist der Aufenthalt in der eigenen Wohnung im Vergleich zu einer Haftzelle. Der Apostel Paulus, von dem der Satz an der Gemeindehaustür stammt, hat ihn im Gefängnis in Rom geschrieben. In dieser mehr als ungemütlichen Situation schreibt er in einem Brief diesen Satz: „Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ Paulus war kein Übermensch, sondern ein Mensch mit Gottvertrauen. Er setzte nicht auf seine eigene Stärke, sondern auf die Kraft Gottes. In einem anderen Brief hat Paulus geschrieben: „Ich bin guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten um Christi willen.“ Und dann fügt er noch die paradoxe und starke Aussage hinzu: „Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“ Das war keine steile philosophische Aussage von Paulus, sondern seine Lebens- und Glaubenserfahrung.

Ich verstehe den Paulus so: Gerade, wenn wir schwach sind, wenn Fragen, Sorgen und Ängste uns quälen, will Gott uns stark machen. Und besonnen. Und fähig zur Nächstenliebe. Auch und gerade in Krisenzeiten.

Vielen Dank für die Bibelstelle an der Gemeindehaustür!

Schabbatleuchter, zwei Kerzen, mit denen Juden den Schabbat begrüßen

Schabbatleuchter, zwei Kerzen, mit denen Juden den Schabbat begrüßen

Wie können wir den Sabbattag heiligen? Andreas Laqueur erzählt von einer kleinen jüdischen Gemeinde in Berlin und ihrer Antwort auf diese Frage zu Corona-Zeiten.


Ein Beitrag von Andreas Laqueur, Berlin